Im Studio mit: Gregori Saveedra
Das Leben, die Bilder und der ganze Rest: Greogori Saveedras
Arbeiten artikulieren die Spannungen und Absurditäten, welche die menschliche
Kultur ihren Schöpfern zumutet. Obwohl der in Barcelona geborene Texter,
Werbegrafiker und Regisseur erst relativ spät zur freien Grafik fand, hat ihn
der künstlerische Aspekt seiner Arbeit sein ganzes Leben lang beschäftigt.
Wie ein Flaneur des 19. Jahrhunderts, nun ausgestattet mit
einem Fahrrad, durchstreift Saveedra Stadt und Land, sammelt Eindrücke und
fotografiert. Die digitalen Aufnahmen, die er von seinen Touren mitbringt,
verarbeitet er im Atelier zu ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Collagen. Die
auffälligste stilistische Eigenheit dieser Grafik ist das nahezu völlige Fehlen
von Halbtönen. Alten Scherenschnitten oder Schattenspielen gleich entstehen die
Bilder aus dem Gegensatz von schwarzen Formen und hellen Freiflächen, Fülle und
Leere.
Aus der fehlenden Gewissheit, ob denn eigentlich die
gefüllten, oder vielmehr die leeren Flächen die Bildgegenstände konstituieren,
erwächst eine gespannte, bald fragile, bald markante Bildstruktur.
Oft werden menschliche Figuren in einer bestimmten, teils
realistischen, teils surrealistisch verfremdeten Situation gezeigt. Als
Handelnde und Verursachende, mehr aber noch als Verstrickte und Getriebene
interagieren diese mit Symbolen und Bildwelten der modernen, meist urbanen
Umwelt. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch die Medien in Gestalt von
Plakaten, Graffitis, Überschriften und
anderen Textfragmenten. Für diesen selbstreferentiellen bzw. medienkritischen
Aspekt und die bestechende Prägnanz, mit denen Saveedra seine Bildideen
umsetzt, ist seine Erfahrung als Werbegrafiker fruchtbar.
Gerade durch die
kritische Adaption und die motivische Intensität verfügen seine Arbeiten jedoch
über eine hohe künstlerische Relevanz. Wenn in der Grafik pain beispielsweise ein Mann von Telegrafenmasten, Antennen etc.
durchbohrt und von verschiedenen Textbruchstücken umringt wird, zeigt sich ein
sehr persönlicher und zugleich gesellschaftlich wacher Standpunkt.
Durch die Verwendung von Symbolen und Textfragmenten aus den
Massenmedien lassen sich auch Einflüsse aus dem Dadaismus und aus der Pop-Art
dingfest machen. Anders als dort ist jedoch nicht Ironie das
Hauptcharakteristikum, sondern ein sensibler und zuweilen lakonischer Blick auf
die Alltagswelt. Saveedras Arbeiten nehmen die entdeckten Gegensätze auf und
transformieren sie in eine kontrastreiche Bildstruktur. Durch diese Dopplung
entsteht die Ausdruckskraft von Saveedras Grafik:
Das Leben antwortet der
Kunst, wenn diese dem Leben antwortet.
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