Im Studio mit: Roman Bittner
Zwischen kilometerhohen Wolkenkratzern, umschwirrt von
Zeppelinen, verlieren sich Menschen in Häuserschluchten. Die Gebäude sind
atemberaubend, verspielt und gewalttätig zugleich. Viele Hochhäuser erinnern an
die Chicagoer Schule. Bedrückend schön sind die Visionen des Berliner
Illustrators Roman Bittner, der diese Städte schuf. Seit einem Jahr zeichnet er
Bild für Bild eine phantastische Gegenwelt, die "Ancient cities of tomorrow".
Hier verbindet er visuelle Zitate aus verschiedenen Epochen mit visionären
Entwürfen, die nie gebaut wurden zum Panorama einer utopischen Stadt; die
Entwürfe gehen zurück auf Architekten wie Hugh Serries, Le Corbusier oder
Raymond Hood, das Berlin der 20. Jahre, Metropolis-Visionen, in denen Städte
als ein Ganzes konzipiert wurden, einem lebendigen Organismus vergleichbar, mit
rationaler, funktioneller Architektur. Sie erinnern an die Stadtvisionen der
belgischen Comic-Zeichner Francois Schuiten und Benoit Peeters.
Mit dem Prinzip Konstruktion und seiner spezifischen
Retro-Pixel-Ästhetik schafft Roman Bittner mit akribischer Vektorgrafik ein
präzis umrissenes artifizielles Universum, in dem es Spaß macht, sich zu bewegen,
zu suchen und zu finden. Die urbane Selbstinszenierung durch eine zweite
Architekturschicht von amerikanischer und (altdeutscher) Reklame enthält mehr
Diskussionsstoff zur aktuellen Lage der Städte, als die selbstgenügsame
Verspieltheit Bittners vermuten lässt.
Roman Bittner, geboren 1971 in Berlin, studierte von 1994-2000 Grafik-Design an
der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart. Bereits 1996 gründete er dort
das Grafik-Design-Studio Apfel Zet (www.apfelzet.de), zog jedoch 2003 mit Apfel
Zet zurück nach Berlin. Heute lebt und arbeitet Roman Bittner als Grafiker und
Illustrator in Berlin. Er gewann 1999 den Preis der Stuttgarter Akademie, 2000
den Erwin-Heinle-Preis und im selben Jahr den ADC Junior Award.
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