Im Studio mit: Jan Feindt
Wem durch die tägliche Medienflut die Bilderwelt blass und
uninteressant geworden ist, der wird durch Jan Feindts Arbeiten geweckt und neu
sensibilisiert. Der in Norddeutschland geborene Künstler studierte in Hamburg
und Tel Aviv und lebt heute als Illustrator und Comic-Autor in Berlin. Seine freien
Arbeiten, häufig Frauenportraits und Stadtszenerien, entstehen in einer
manuell-digitalen Mischtechnik: Auf klassische Weise mit Tuschestift und Pinsel
gezeichnete Bilder werden am Computer bearbeitet und koloriert. Trotz der
digital erzeugten Kontrastschärfe und grellen Farbigkeit bleibt jedoch die
handwerkliche Qualität weiterhin sichtbar. Während der lebendige, aber präzise
Strich an die berühmte ligne claire des belgischen Zeichners Hergé erinnert, gewinnen
die locker gesetzten schwarzen Schattenflächen eine eigene, fast
ungegenständliche Wirkung.

Thematisch stellt die Pop-Kultur für Jan Feindt eine
wichtige Inspirationsquelle dar. Motive aus Werbung und Mode, Spielfilm und
auch Pornografie dienen als Vorbilder für eine grafische Inszenierung, welche
die abgenutzten Formate zu etwas Neuem und Unabhängigen macht. Wenn beispielsweise
eine fein gezeichnete, laszive Frauenfigur von einer leuchtenden Farbstruktur
überlagert wird, gewinnt die artifizielle Glätte und Beliebigkeit des Vorbildes
eine neue Individualität und Würde. Die Ästhetisierung geschieht jedoch nicht
mittels Abmilderung oder künstlich erzeugter Unschärfe, wie beispielsweise bei
den bekannten Nudes des Fotokünstlers
Thomas Ruff. Vielmehr wird hier ganz im Gegenteil eine Verschärfung und
Konfrontation unternommen. Dies spielt auch bei den Stadtszenen eine Rolle, die
mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten einen neuen Blick auf scheinbar bekannte Straßenansichten
erlauben.
Durch die Motivwahl und verschiedene andere Bildelemente wird
auf die Bildsprache und Themen der Pop-Art angespielt. Im Gegensatz zu jener
spielt Ironie bei Feindt nur eine untergeordnete Rolle. Die Frauenfiguren
möchten ernst genommen werden und behalten eine eigene, sinnliche und mysteriöse
Ausstrahlung.
Sowohl bei den Stadtlandschaften als auch bei den
Figurenbildern kommt es Feindt auf eine Intensivierung der Wahrnehmung an. Die
Provokation ist nicht Selbstzweck, sondern ordnet sich Feindts ästhetischem
Konzept unter. Das Resultat ist eine charaktervolle, expressive und
anspruchsvolle Illustrationskunst. |